Geschichte

Die Geschichte der Musikkapelle ist naturgemäß eng mit der des Regiments verbunden. Das legendäre Deutschmeisterregiment wurde gemäß einem Vertrag zwischen Kaiser Leopold I. und dem „Hoch und Deutschmeister“ des Deutschen Ritterordens errichtet, der 1190 vor Akkon (heute: Akká, im Norden Israels) gegründet worden war. Die erste Ausmusterung des Regiments fand im Jahre 1696 im bayerischen Donauwörth statt. Zuerst „Pfalz-Neuberg-Teutschmeister“ genannt, hieß das Regiment bald nur noch „Deutschmeister“, um dann ab 1814 „Hoch-und Deutschmeister“ genannt zu werden. Seit 1769 führt das Regiment auch die Bezeichnung „Infanterieregiment No. 4“, weil es seit damals zu den vier Hausregimentern der Habsburger Kaiser zählte. Mit Hofdekret Kaiser Josefs II. von 1781 wurde das Deutschmeister-Regiment schließlich in Wien stationiert.

Die Gründung der Kapelle geht auf das Jahr 1741 zurück, als Kaiserin Maria Theresia anordnete, dass jedes Regiment seine eigene Kapelle haben sollte, um die Truppen zur Parade zu führen und sie im Kampfe „anzuspornen“. Seit der Stationierung des Regiments in Wien erlangte die Kapelle durch ihr Spiel bei allen offiziellen Anlässen allmählich großen Ruhm und wurde zur „Lieblingskapelle“ des Kaisers. Bekannt als die „K. und K.“ (Kaiserlich und Königliche) wurde die Kapelle nicht nur für offizielle Anlässe, z. B. die Wachablösen, eingesetzt, sondern sie gab auch öffentliche Konzerte vor dem Belvedere und in Schönbrunn. Sie wurde mehr als irgendeine Militärkapelle; sie wurde zur Interpretin des österreichischen, musikalischen „Prunkes in Friedenszeiten“ schlechthin und entwickelte sich seit dieser Zeit zu einem echt wienerischen Klangkörper.

Viele berühmte Musiker gehörten im Laufe der Zeit der Kapelle an, wie Josef Helmesberger, Josef Bayer, Robert Stolz, Carl Michael Ziehrer u. v. a. Unter Ziehrer, der zehn Jahre lang (1883 – 1893) dem Orchester vorstand, war die Kapelle eine der populärsten Attraktionen bei der Weltausstellung 1893 in Chicago. Im Jahre 1910 unter der Stabführung von Wilhelm Wacek (1893 – 1918) fuhr die Kapelle u. a. auch nach Südamerika (Argentinien, Brasilien, Uruguay, etc.).

Die Auflösung der militärischen Einrichtungen der Donaumonarchie durch die neu errichtete Österreichische Republik im Nov. 1918 war auch das Ende der berühmten Militär-Musikkapelle. Um Kontakte zu wahren und die Erinnerungen an das gemeinsam Erlebte bzw. Gehörte aufrecht zu erhalten, kam es in der Folge zur Gründung vieler, verschiedene Deutschmeistervereinigungen, u. a. auch zur Gründung von Deutschmeisterkapellen, die allerdings keine Verbindung mehr zu Einrichtungen des Bundesheeres der 1. Republik hatten.

Die Pflege der Tradition des berühmten Regiments der „Hoch-u. Deutschmeister“ lebte sowohl im Bundesheer der 1. wie auch der 2. Republik weiter. (1920 wurde im Bundesheer der 1. Re-publik das IR-4-Nachfolgeregiment aufgestellt, das ab 1923 den Auftrag der Pflege der „Hoch- und Deutschmeister“-Tradition erhielt und ab 1928 auch den Namen dazu bekam. Nach dem 2. Weltkrieg existierte von 1963 bis 1978 ein Jägerbataillon mit der berühmten Nummer 4 (JgB 4 > LWSR 21 > JgR 2 > JgR Wien), dem 1967 die Traditionspflege des „Hoch- und Deutschmeister-Regiments“ offiziell übertragen wurde. Nach Auflösung des JgR Wien wurde die Fortführung der Deutschmeistertradition dem JgBWl (Jägerbataillon Wien 1 „Hoch-und Deutschmeister“) übertragen. Es handelt sich dabei um eines der beiden österreichischen Miliz-Bataillone der Bundeshauptstadt Wien.

Im Jahr 1977 haben sich traditionsbewusste Musiker unter der Leitung des Kpm. Anton Janosch entschlossen, die einst so populäre und berühmte Deutschmeisterkapelle im Rahmen der Traditionspflege des Bundesheeres wieder aufleben zu lassen und weiterzuführen. Zu diesem Zweck wurde am 3. Mai 1977 der Verein „Musikkapelle Hoch- und Deutschmeister – k. u. k. Wiener Regimentskapelle IR 4“ (Vereinssitz: „Maria Theresien Kaserne, 1130 Wien, Am Fasangarten 2“) der Vereinsbehörde angemeldet.

Zum Zeichen und als Erinnerung, dass es sich um eine Truppe des Deutschen Ordens handelte, tritt die Musikkapelle in der Öffentlichkeit unter dem Banner des Deutschmeisterkreuzes und dem Namen „k. u. k. Wiener Regimentskapelle IR 4“ auf. Sie trägt in Fortführung der Tradition der alten Regimentskapelle die historischen Uniformen des Infanterie-Regimentes No. 4 aus dem Jahre 1871 und setzt sich aus gedienten österreichischen Militärmusikern und traditionsbewussten Blasmusikmusikern zusammen.

Das Motto der Kapelle lautet wie eh und je: „Mir san vom k. u. k. Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Numero vier …“.